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Lokaljournalismus ist altbacken und langweilig? Das könnte man sich vielleicht vor dem Start eines Praktikums bei der regionalen Lokalzeitung denken. Tatsächlich wurde mir jedoch bereits am ersten Tag meines Praktikums schnell das Gegenteil bewiesen – und liess mich, angehende und junge Journalistin, alt dastehen.

Als Einsteigerin ins Berufsleben sehen sich viele angehende Journalistinnen und Journalisten vielleicht in ihrem Wunschdenken eher in einer grossen Redaktion: Zum Beispiel als Auslandskorrespondenten beim SRF, oder als Sportredaktorin beim Blick oder vielleicht sogar als Mitarbeiterin beim Kulturressort in der NZZ.
Im Vergleich zu solchen grossen Medien scheint der Lokaljournalismus doch irgendwie… sagen wir mal durch den Fokus auf die Region «begrenzt»? Das zumindest dachte ich mir. Trotzdem war ich neugierig auf die Arbeit als Journalistin, welche sich ja nicht nach Medien oder Region unterscheidet. Und so startete ich in mein Volontariat beim Entlebucher Anzeiger.

Willkommen im Lokaljournalismus

Mein erster Tag war sogleich ein Montag – Produktionstag beim Entlebucher Anzeiger. Als ich die überschaubare Redaktion betrat, wurde ich sehr freundlich, jedoch knapp begrüsst, denn sogleich klingelte ein Telefon. Der Raum war erfüllt durch das rhythmische Klicken der Tastaturen. Die Mitarbeitenden liefen mit schnellen Schritten geschäftig umher. Sie folgten einem Ablauf aus einem für mich damals noch nicht erkennbaren Muster. Ehe ich mich versah, wurde ich an einen Tisch gesetzt, das Telefon in der Hand, einen Stapel mit Texten vor mir: «Die kommen heute noch alle in die Zeitung», wurde mir erklärt. Nach kurzer Einführung begann ich, bereits selbstständig den Stapel abzuarbeiten und die Texte zu redigieren.
Ich bearbeitete Vereinsgeschichten und Lokalmeldungen, aber auch Artikel aus den Bereichen Sport, Kultur und Politik. Regionale News mit Blick darüber hinaus. Eine Themenvielfalt, die ich mir bis anhin nicht erträumt hätte. Wenn ich jemanden heute von meinem Beruf in der Redaktion des Entlebucher Anzeigers erzähle, lautet die erste Frage meistens: «Für welches Ressort schreibst du?» «Für alle», lautet meine Antwort kurz und einfach. Und das ist etwas ganz Besonderes als Journalsitin bei einer Lokalzeitung.

Feedbackkultur im Lokaljournalismus – oder: «Learning by Doing»

Wie sich schnell zeigte, wurde ich – glücklicherweise – nicht zum Kaffeeholen eingestellt. Bereits in der ersten Woche besuchte ich eine Veranstaltung und verfasste meinen ersten Zeitungsbericht. Schon eine etwas beängstigende Aufgabe, wenn man so etwas noch nie vorher gemacht hat und sogleich der eigene Namen unter dem Artikel steht, welcher gleich tausendfach gedruckt wird. Doch meine Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion standen mir stets mit einem Rettungsring zur Seite.
Im Vergleich zu den grossen Zeitungen ist das Redaktions-Team des Entlebucher Anzeigers ein kleines Team, was bedeutet, dass ich direkt neben meinen Vorgesetzten platziert wurde. Dies hat keineswegs etwas mit Überwachung zu tun, sondern vielmehr damit, dass ich eine direkte Betreuung erlebte. Etwas, das ich als Praktikantin als sehr wichtig empfand, denn ich lernte schnell: Lokaljournalismus bedeutet Feingefühl, Genauigkeit und Fairness. Als Journalistin tritt man mit vielen Personen in verschiedenen Positionen und Funktionen in Kontakt und es ist für die journalistische Arbeit essenziell, dass daraus gute Beziehungen entstehen. Tipps und Tricks von erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind dabei eine grosse Stütze.
Fragen und Unsicherheiten können somit schnell geklärt werden, was eine potenziell rasch anwachsende Lernkurve ermöglicht. Denn die eigene Entwicklung wird durch direktes Feedback enorm angetrieben.

Tipps für dein Praktikum

Seit meiner ersten Woche als Praktikantin im Lokaljournalismus sind viele weitere vergangen. Mittlerweile bin ich Junior-Redaktorin beim Entlebucher Anzeiger, was für die Entwicklungsmöglichkeiten bei einer Lokalzeitung spricht. Ich lerne immer noch jeden Tag dazu. Was ich bereits alles im Lokaljournalismus gelernt habe und welche Tipps ich angehenden Journalistinnen und Journalisten geben kann, lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Sei offen und interessiert: Jedes Thema kann sich zu einer spannenden Geschichte entwickeln, wenn man sich darauf einlässt. Voreingenommenheit hat hier keinen Platz.
  • Freundlichkeit ist der Schlüssel zu vielen verschlossenen Türen.
  • «Wir sind alles nur Menschen»: Lasse dich nicht vom Alter, Geschlecht oder Position deiner Gesprächspartnerin oder deines Gesprächspartners einschüchtern.
  • Bleibe neutral und kritisch: Im Lokaljournalismus lernst du viele Leute persönlich kennen und pflegt mit ihnen einen regelmässigen Kontakt. Auch wenn diese Personen sehr sympathisch sein können, sollte der Auftrag nicht in Vergessenheit geraten: Bleibe also kritisch und neutral mit Fokus auf das Thema. Fairness ist dabei das oberste Gebot – im Lokaljournalismus haben Boulevardpresse und Sensationsgier keinen Platz.
  • Daten sind Gold: Führe eine saubere Liste deiner Kontakte – du bist dir später dankbar, wenn du dich mit einer bestimmten Person in Verbindung setzen möchtest. Ein grosses Netzwerk erleichtert dir deine journalistische Arbeit.

Gerne erzähle ich dir mehr über mein Praktikum bei einer Lokalzeitung! Schreibe mir eine E-Mail an julia.schumacher@e-medienhaus.ch und erfahre mehr über meinen Einstieg in den Journalismus.